Ratenzahlung – was bringt das für den Möbelhandel?

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Schon mal vom Kürzel BNPL gehört? Das steht für „Buy now, pay later“ und sorgt für Erschütterungen im Online-Handel, denen auch die Möbelbranche nicht ausweichen kann. Denn „Jetzt kaufen, später zahlen“ wird im E-Commerce immer wichtiger und Zahlungsdienstleister entwickeln neue Lösungen dafür; der Konkurrenzkampf in diesem Bereich wird schärfer.

Grundsätzlich bezeichnet BNPL den Vorgang, wenn der Kunde jetzt etwas kauft, aber erst später dafür bezahlt, erklärt Daniel Strieder, Geschäftsführer des Wiener Finanzdienstleisters Credi2. „Eine Art von BNPL ist den Händlern ja schon gut bekannt: der Kauf auf Rechnung.“ Im Prinzip ist das spätere Bezahlen also nichts Neues, doch heute kommt es in unterschiedlichen Ausprägungen und in technologisch ausgereifter Form daher. Denn Kunden wollen beim Online-Shopping nicht lange warten, um das gewünschte Produkt zu kaufen. Flexibilität ist hier das Zauberwort.

Das bietet beispielsweise Zahlungsdienstleister PayPal mit entsprechenden Angeboten – etwa mittels Ratenzahlung: Dabei können Kunden Beträge bis zu 5000 Euro in 3 bis maximal 24 Monatsraten zahlen. Der Händler bekommt das Geld sofort, das gilt auch für die Option des Bezahlens nach 30 Tagen. Entsprechende Buttons für den Online-Shop, die von PayPal zur Verfügung gestellt werden, sollen früh auf diese Möglichkeit aufmerksam machen.  

Konkurrenzkampf der Anbieter 

Der Hintergedanke: Später bezahlen wird zum Killerargument im E-Commerce. Neben PayPal bietet auch die schwedische Klarna solche Möglichkeiten an. Und der US-Konzern Apple hat in seinem Heimatland seit kurzem einen Service für Ratenzahlungen, über den Apple-Geräte wie etwa iPhones von Privatkunden über zwei Jahre und ohne Aufschläge finanziert werden können. Es wird erwartet, dass das Angebot auf weitere Länder ausgedehnt werden könnte.

Zunehmend drängen junge Firmen aus dem wachsenden Fintech-Segment auf den Markt – so wie eben auch Credi2, das auf BNPL spezialisiert ist. Sein Unternehmen trete aber nicht in Konkurrenz zu etablierten Banken, meint Geschäftsführer Strieder. „Unsere Rolle ist es, Banken, Finanzdienstleister und Handelsunternehmen zu unterstützen, um benutzerfreundliche BNPL-Lösungen anzubieten.“ Es komme dabei auf intuitives Design und benutzerfreundliche Prozesse an, die sich nahtlos in das Einkaufserlebnis des Kunden einfügen.

Beim Online-Shopping sollte es beim Bezahlvorgang rasch gehen – auch bei der Entscheidung für Ratenzahlung © Unsplash / John Schnobrich
Beim Online-Shopping sollte es beim Bezahlvorgang rasch gehen – auch bei der Entscheidung für Ratenzahlung © Unsplash / John Schnobrich

Möbelhandel muss reagieren 

Was bedeutet das alles für den Möbelhandel? Strieder verweist auf eine Studie seines Unternehmens: Für mehr als die Hälfte der 1000 Befragten ist BNPL eine unkomplizierte Bezahloption, die vor allem beim Onlineshopping, aber auch beim Kauf vor Ort in Frage kommt.

Eine Juniper-Research-Analyse zeigt zudem, dass 2026 schon fast ein Viertel aller E-Commerce-Transaktionen via BNPL-Bezahlung abgewickelt werden sollen – derzeit sind es erst 9 Prozent. „Bei höherpreisigen Anschaffungen wie etwa Fahrrädern und E-Bikes, Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständen, Elektronikgeräten und Sportgeräten gehen viele Kunden bereits davon aus, dass ihnen flexible Bezahlmöglichkeiten angeboten werden.“

Wichtig sei zu verstehen, dass hierfür oft nicht mangelnde Liquidität, sondern der Wunsch nach Flexibilität entscheidend ist. Strieder ist überzeugt, dass speziell die Möbelbranche am Thema BNPL nicht länger vorbeikommt. „Gerade im Bereich Wohnen werden Anschaffungen von vielen Kunden als langfristige Investition gesehen. Daher ist der Wunsch danach, die Möbel auch über einen längeren Zeitraum finanzieren zu können, noch wichtiger.“ 

Rasche Prozesse ohne Umwege sind entscheidend 

Entscheidend ist die einfache und vor allem rasche Durchführung der Ratenzahlung und anderer Online-Angebote für ein späteres Bezahlen. Bei PayPal beispielsweise verspricht man, die Prüfung eines Antrags „binnen Sekunden“ durchzuführen. Der Kunde schließt in weiterer Folge einen Teilzahlungsvertrag mit einem effektiven Jahreszinssatz von derzeit knapp 10 Prozent ab. Geschwindigkeit ist essenziell: Um zunächst mal einen Kreditantrag bei einer Bank zu stellen, ist im raschen Online-Geschäft einfach keine Zeit.

Doch wie sieht es mit den gesetzlichen Regelungen in Deutschland und Österreich bezüglich Konsum- bzw. Verbraucherkrediten aus? Schließlich gibt es da teils strenge Vorgaben, etwa zu den Informationspflichten. Es müssen ähnliche Risikoprüfungen wie im klassischen Banking absolviert werden – nur eben schneller, schlanker und benutzerfreundlicher, betont Daniel Strieder.

Das funktioniert etwa über eine Echtzeit-Bonitätsprüfung. Kunden loggen sich dazu in ihrem Gehaltskonto ein, erstellen eine digitale Haushaltsrechnung und bekommen sofort Bescheid, ob die Risikoprüfung positiv oder negativ ausgefallen ist. Das alles soll nur wenige Sekunden dauern. Neben Ratenzahlung oder Rahmenkredit kommt übrigens auch ein Abomodell oder der bewährte Rechnungskauf als Variante von BNPL in Frage.

Credi2-Chef Daniel Strieder: „Gerade im Bereich Wohnen werden Anschaffungen als langfristige Investition gesehen.“  

Weitere Informationen finden Sie unter www.ambista.com
Quelle: Autor: Robert Prazak, © Credi2

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