Die belgische Möbelindustrie zeigt sich widerstandsfähig und weist erste Anzeichen einer Erholung auf

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Die belgische Möbelindustrie verzeichnete 2024 erneut ein schwieriges Jahr.
Das zweite Jahr in Folge sank der Umsatz deutlich, um etwa 7 %, wodurch der Gesamtumsatz der Branche knapp unter 2 Milliarden Euro lag. Auch im ersten Halbjahr 2025 blieb die Lage ungünstig. Der Umsatz ging erneut zurück und lag 5,7 % unter dem Wert des ersten Halbjahres 2024.

Dieser anhaltende Abwärtstrend bestätigt, dass der Sektor weiterhin unter Druck steht, sowohl aufgrund der zuvor schwachen Nachfrage im Bausektor als auch aufgrund der vorsichtigen Konsumausgaben.

Der Rückgang war in allen Produktgruppen spürbar. Kein einziges Segment konnte den Abwärtstrend durchbrechen. Büro- und Ladeneinrichtungen (-8,5 %) sowie Matratzen und Bettböden (-17,4 %) waren am stärksten betroffen. Der Umsatz mit Wohnmöbeln verzeichnete einen Rückgang von 2,5 %, und der Umsatz mit Küchenmöbeln sank um 3,5 %.

Da keine zuverlässigen Daten zu den Verkaufspreisen vorliegen, ist es nicht möglich, eine Schätzung der Entwicklung des Umsatzvolumens vorzunehmen.

Gemäß dem Produktionsindex sank das Produktionsvolumen im ersten Halbjahr 2025 im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Jahr 2024 um 2,1 %.

ENTWICKLUNG DES UMSATZES NACH PRODUKTGRUPPEN

 

 

In Millionen Euro

Wertentwicklung

In Millionen Euro

In Millionen Euro

Wertentwicklung

2024

24/23

1. Halbjahr 2024

1. Halbjahr 2025*

1. Halbjahr 25/24*

Stühle und Sitzmöbel, Esszimmer-, Wohnzimmer-, Schlafzimmer-, Badezimmer-, Garten- und Terrassenmöbel

842,4

-4,1 %

439,9

429,1

-2,5 %

Büro- und Ladeneinrichtung

433,8

-11,4 %

230,8

211,1

-8,5 %

Küchenmöbel

483,0

-6,7 %

253,4

244,5

-3,5 %

Matratzen und Bettgestelle

230,0

-8,9 %

118,1

97,6

-17,4 %

Möbelindustrie **

1.989,2

-7,0 %

1.042,2

982,3

-5,7%

*       Vorläufige Daten                    Quelle: FÖD Wirtschaft, Umsatzsteuererklärungen

**Möbelindustrie Nace 31 

EXPORT UND IMPORT VON MÖBELN RÜCKLÄUFIG

 Der belgische Möbelexport (einschließlich Transit) sank im Jahr 2024 um 1,5 % und verzeichnete im ersten Halbjahr 2025 einen weiteren deutlichen Rückgang von 10,1 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Etwa 89 % des Exports gehen in den EU-Markt, wo die Lieferungen um 8,6 % sanken.

Innerhalb der EU entwickelten sich die wichtigsten Exportmärkte unterschiedlich. Der Verkauf nach Frankreich, mit einem Anteil von 29,2 % der wichtigste Exportmarkt, ging um 10,8 % zurück. Auf dem deutschen Markt, dem zweitwichtigsten Exportmarkt (Anteil 28,2 %), konnten die Verkäufe um 2,2 % gesteigert werden. Die Möbelexporte in die Niederlande belegen mit einem Anteil von 21,5 % den dritten Platz und sanken nach einem Rückgang von 11,6 % im Jahr 2024 im ersten Halbjahr 2025 um weitere 9,8 %.

Außerhalb der EU blieben die Vereinigten Staaten der größte Exportmarkt (2,9 % Marktanteil). Im Jahr 2024 stiegen die Exporte dort um 15,3 %, jedoch folgte im ersten Halbjahr 2025 ein starker Rückgang um 20,9 %, unter anderem aufgrund höherer Einfuhrzölle. Auch das Vereinigte Königreich (2,5 % Marktanteil) verzeichnete einen Rückgang von etwa 18 %, nach einem Anstieg von etwa 12 % im Jahr 2024.

Die Möbelimporte stiegen im Jahr 2024 um 3,6 %, gingen jedoch im ersten Halbjahr 2025 um 2,3 % zurück.  Nach zwei Jahren des Rückgangs stiegen die Importe aus China im Jahr 2024 um 21,2 %. Im ersten Halbjahr 2025 folgte erneut ein solides Wachstum von 14,1 %. China bleibt mit einem Anteil von 32,7 % der wichtigste und sehr dominante Lieferant von Möbeln auf unserem Markt. Die niederländischen Möbelimporte (Anteil 14,8 %) stiegen leicht (+1,9 %), während die deutschen Importe (Anteil 10,3 %) um 14,1 % zurückgingen. Polen, der viertwichtigste Lieferant mit einem Anteil von 9,1 %, lieferte 6,1 % mehr auf unseren Markt.

AUSLASTUNG ERHOLT SICH – INVESTITIONSBEREITSCHAFT BLEIBT UNSICHER

Die Auslastung der Produktionskapazitäten in der belgischen Möbelindustrie sank 2023 und 2024 auf durchschnittlich 73 %, den niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Im ersten Halbjahr 2025 stieg die Auslastung erneut über 80 % auf 83,2 %, womit der Sektor wieder ein normales Niveau erreichte.

Ob diese höhere Auslastung in mehr Investitionen resultiert, ist noch unklar. Im ersten Halbjahr 2025 sanken die Investitionen weiter um 2,4 %, nachdem sie 2024 bereits um 16,7 % zurückgegangen waren.

BESCHÄFTIGUNG WEITER RÜCKLÄUFIG

Im Jahr 2024 waren 8739 Arbeitnehmer in der Möbelindustrie beschäftigt. Im Vergleich zu 2023 entspricht dies einem Rückgang um 820 Mitarbeiter oder -8,6 %. Im ersten Quartal 2025 sank die Beschäftigung weiter: -4,9 % im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2024.

UNTERNEHMERVERTRAUEN STIEG DEUTLICH AN, GEFOLGT VON EINEM STARKEN RÜCKGANG

Die Konjunkturkurve der Möbelindustrie – ein wichtiger Indikator für das Unternehmervertrauen, der der tatsächlichen Wirtschaftstätigkeit durchschnittlich drei Monate vorausgeht – stieg im Zeitraum Mai bis August 2025 spektakulär an. Zum ersten Mal seit langem lag die Kurve über Null, was bedeutet, dass mehr Geschäftsführer optimistisch als pessimistisch hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung der Branche sind. Im September 2025 folgte jedoch ein deutlicher Rückgang.

ENTWICKLUNGEN IM MÖBELHANDEL

Das Niveau der Bestellungen im Möbelhandel bleibt 2025 eher niedrig, obwohl sich seit den Sommermonaten eine Trendwende abzuzeichnen scheint, mit Wachstumszahlen im Juli und August nach einem schwachen Juni. In den ersten acht Monaten lagen die Bestellungen kumuliert um 1,5 % über dem Wert von 2024.

Quelle: NBB

AUSBLICK FÜR 2025: MÄSSIG POSITIV, ABER UNSICHER

Verbrauchervertrauen erholt sich

Nach einem historischen Tiefpunkt Mitte 2022 aufgrund der Energiekrise erholte sich das Verbrauchervertrauen in Belgien und Europa in den Jahren 2023 und 2024. Ab Ende 2024 änderte sich die Stimmung erneut und die belgischen und europäischen Verbraucher wurden pessimistischer. Seit Mai 2025 ist jedoch wieder ein Aufwärtstrend zu beobachten.

Eine weitere Stärkung des Verbrauchervertrauens könnte sich im Jahr 2025 positiv auf die heimische Nachfrage nach Möbeln auswirken, auch wenn das Wachstum der Investitionen in Wohnimmobilien weiterhin negativ bleibt.

Internationaler Handel: Quelle der Unsicherheit

Die US-amerikanischen Handelsmaßnahmen haben insgesamt einen hemmenden Effekt auf die Weltwirtschaft.

Das zwischen den USA und der EU geschlossene Handelsabkommen begrenzt die Zölle für Produkte europäischen Ursprungs auf 15 %. Exporteure aus anderen Ländern unterliegen höheren Zöllen, was einen Wettbewerbsvorteil für belgische Produkte auf dem US-amerikanischen Markt darstellen könnte.

Andererseits besteht das Risiko, dass Produkte, auf die hohe Zölle erhoben werden, auf den EU-Markt umgeleitet werden und so den Wettbewerbsdruck erhöhen. Fedustria plädiert daher für eine ausreichende Marktüberwachung, um unlautere Handelspraktiken wie Dumping zu vermeiden und sicherzustellen, dass importierte Produkte den in Europa geltenden Normen entsprechen.

Wirtschaftsausblick für die Eurozone und Belgien

Trotz der Handelsspannungen erwartet das Planbüro ein leichtes Wirtschaftswachstum in der Eurozone von 0,9 % im Jahr 2024 auf 1,3 % im Jahr 2025 und 1,4 % im Jahr 2026, das durch fiskalische Maßnahmen und die Lockerung der Geldpolitik angekurbelt wird.

Das Wachstum der belgischen Wirtschaft soll voraussichtlich relativ stabil bleiben und von 1,0 % im Jahr 2024 auf 1,2 % im Jahr 2025 und 1,1 % im Jahr 2026 steigen. Bis 2025 wird das Wachstum hauptsächlich durch den privaten Konsum und die Unternehmensinvestitionen getragen. Darüber hinaus steigen die öffentlichen Konsumausgaben und Investitionen weiterhin stark an, vor allem aufgrund höherer Verteidigungsausgaben.

IMPORT- UND EXPORTZAHLEN 1. HALBJAHR 2025

NACHWORT

Die anhaltende Konjunkturschwäche in Kombination mit den schwer vorhersehbaren geopolitischen Faktoren hindert die Möbelunternehmen nicht daran, weiterhin auf Innovation, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft zu setzen.

 Topdesign von Weltklasse

Die State of the Art-Produkte unserer belgischen Möbelhersteller werden weltweit für ihre Kreativität, Qualität und ihren maßgeschneiderten Service geschätzt. Unter dem Slogan „Belgian Furniture powered by Fedustria” werden (gemeinsame) Stände auf Möbel- und Einrichtungsmessen organisiert, beispielsweise in Mailand, Index Dubai oder Maison & Objet.

Dass belgisches Möbeldesign (sowohl für den Innen- als auch für den Außenbereich) Weltklasse ist, wurde kürzlich während der belgischen Wirtschaftsmission in die Vereinigten Staaten erneut deutlich. Dort wurde das belgische Möbeldesign in den Vordergrund gestellt und ein Memorandum of Understanding (MoU) mit der TBS Design Gallery in San Francisco unterzeichnet. Diese strategische Partnerschaft zielt darauf ab, die Präsenz und Sichtbarkeit des belgischen Designs in Kalifornien zu stärken und eine nachhaltige transatlantische Zusammenarbeit innerhalb der Designwelt zu fördern.

Ab 2026 werden Fedustria und ihre Mitgliedsunternehmen die Belgian Design Days in California einführen. Diese Veranstaltung lädt Architekten, Designer und Kunden ein, die Kreativität, Handwerkskunst und Innovation des belgischen Designs im Showroom der TBS Gallery hautnah zu erleben.

Neben San Francisco eröffnet Fedustria mit Unterstützung von Flanders Investment & Trade (FIT) und der belgischen diplomatischen Vertretung auch in Los Angeles neue Möglichkeiten. Es gibt bereits Pläne für eine Pop-up-Präsentation.

Vorreiter in den Bereichen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft

Auch vor dem Hintergrund von Gesetzesinitiativen wie der erweiterten Herstellerverantwortung wird verstärkt auf Ökodesign und „Design for Disassembly“ gesetzt, was die Wiederverwendung und das Recycling von Materialien und Rohstoffen ermöglicht. Ein Vorreiter in diesem Bereich ist zweifellos die Matratzenbranche, in der immer häufiger zirkuläre Lösungen auf dem Markt angeboten werden. Belgische Hersteller nehmen hierbei eine führende Rolle ein und dienen häufig als Vorbild für ihre europäischen Kollegen. Darüber hinaus entstehen verschiedene neue Geschäftsmodelle: Reparatur, Wiederverwendung und Vermietung von Möbeln.

Die Herausforderung besteht nun darin, auch die Verbraucher für die Bedeutung dieser zirkulären und ökologisch verantwortungsvollen Lösungen und Produkte zu sensibilisieren.

Normalerweise soll am 30. Dezember 2025 die Europäische Entwaldungsverordnung EUDR (European Union Deforestation Regulation) nach einem Jahr Aufschub in Kraft treten. Vor kurzem hat die Europäische Kommission einen Vorschlag vorgelegt, um diese Verordnung weiter zu vereinfachen und anzupassen, um den Verwaltungsaufwand zu verringern. Dieser Vorschlag sorgt jedoch nicht wirklich für die dringend benötigte Klarheit, und es bleibt ungewiss, ob er die erforderliche politische Unterstützung erhalten wird.

Talent gesucht

Mit Initiativen wie der Trendplattform watf.news (Woodcrafts and Textile Futures) und dem STEAM-Tool TWIINZ.WORLD, das in Zusammenarbeit mit der Youth Marketing Agency Trendwolves entwickelt wurde, möchte Fedustria jungen Talenten die Möbelbranche vorstellen und sie an diese heranführen. Über TWIINZ.WORLD können 10- bis 14-Jährige in einer virtuellen Welt mit 3D-Produkten von Fedustria-Mitgliedsunternehmen kreativ werden und so ihre eigene Traumwelt (z. B. Traumschlafzimmer, Traumklassenzimmer, Traumgarten) gestalten.

 Die Entscheidung für Holzmöbel ist gesund!

Aktuelle neurowissenschaftliche Studien unter der Leitung von Prof. Dr. Steven Laureys zeigen, dass Holz einen positiven Einfluss auf unser Wohlbefinden hat: Es reduziert Stress, fördert positive Emotionen, stärkt die emotionale Intelligenz und das Engagement. Egal ob zu Hause, im Büro, in der Schule oder im Krankenhaus – Holz schafft eine warme und beruhigende Atmosphäre. Die Entscheidung für Holzmöbel wirkt sich also positiv auf unser Wohlbefinden aus. Weitere Informationen zur Studie: https://houtdenatuurlijkekeuze.be/ons-brein-houdt-van-hout/

Umfangreiches Angebot

Belgische Möbelhersteller bieten für jeden Geschmack etwas: Ob Möbelbausätze, kompakte Möbel, großflächige Aufstellungen, von minimalistisch-schlichtem Design bis hin zu großzügigen Ausführungen, vom mittleren bis zum oberen Segment. Auf der Brüsseler Möbelmesse erhält man einen guten Überblick über das Angebot der belgischen Möbelindustrie. Auf jeden Fall einen Besuch wert!

Weitere Informationen finden Sie unter www.fedustria.be
Quelle: Fedustria

 

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