200.000 Insolvenzen bedeuten 20-Jahres-Hoch an Unternehmensinsolvenzen in Westeuropa; Lage in Österreich entspannt sich

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Insolvenzen in Westeuropa im Jahr 2025 – Zahlen und Entwicklungen

Die wirtschaftliche Lage in Europa entwickelte sich im Jahr 2025 etwas positiver als im Vorjahr und war von einem leichten Wachstum geprägt. Laut Eurostat, dem Statistikamt der Europäischen Union, lag das Wirtschaftswachstum bei etwa 1,5 Prozent (2024: plus 1,1 Prozent). Die Inflation ging weiter zurück, und der Arbeitsmarkt zeigte sich robust. Zum Jahresende schwächte sich die konjunkturelle Dynamik jedoch wieder ab. Belastend wirkten dabei der weiterhin schwache Welthandel sowie geopolitische Spannungen.

Auch strukturelle Probleme wie hohe Energiepreise und bürokratische Hürden bremsten die Investitionstätigkeit und verringerten das Wachstumspotenzial. Innerhalb Europas entwickelte sich das Wirtschaftswachstum sehr unterschiedlich. In großen Industrieländern wie Deutschland, Frankreich und Italien lag es deutlich unter dem europäischen Durchschnitt. Die folgende Analyse beleuchtet, inwiefern das wirtschaftliche Umfeld die Stabilität von Unternehmen beeinflusst. Im Mittelpunkt stehen dabei Entwicklungen im Bereich der Insolvenzen sowie der Insolvenzgefährdung in den einzelnen Ländern. Für Exportunternehmen ohne eigene Produktions- oder Vertriebsstandorte im europäischen Ausland ist die Einschätzung wirtschaftlicher Risiken bei ihren Geschäftspartnern jenseits der Grenze ein zentraler Bestandteil des Risikomanagements.

Die Entwicklung 2025 in Westeuropa

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Westeuropa – hier definiert als die EU-14-Staaten zuzüglich Norwegen, der Schweiz und Großbritannien – ist auf den höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren gestiegen.

Im Jahr 2025 wurden insgesamt 197.610 Unternehmensinsolvenzen registriert, was einem Anstieg von 4,8 Prozent entspricht (2024: 188.623). Gleichzeitig handelt es sich um den vierten Anstieg in Folge, und das Niveau ist inzwischen höher als nach der Finanzkrise 2008/2009. Die Dynamik hat sich zuletzt jedoch etwas abgeschwächt: 2024 lag der Zuwachs noch bei nahezu 12 Prozent, 2023 sogar bei gut 20 Prozent.

Der erneute Anstieg des Insolvenzgeschehens ist Ausdruck der instabilen wirtschaftlichen Lage vieler europäischer Länder. Vor allem in großen Industrieländern blieb die konjunkturelle Erholung im vergangenen Jahr weitgehend schwach. Hinzu kamen die Folgewirkungen jüngster Krisen, wie etwa der Anstieg der Energiekosten und die hohe Inflation infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine, mit denen die Unternehmen zu kämpfen hatten. Die Stabilität vieler Unternehmen ist daher weiterhin beeinträchtigt.

In der Mehrzahl der untersuchten Länder war ein Anstieg der Insolvenzen zu verzeichnen. Am stärksten fiel der Zuwachs in der Schweiz aus, gefolgt von Griechenland, Finnland und Deutschland. Auch in Österreich stiegen die Fallzahlen erneut, lagen damit jedoch im europäischen Mittelfeld. Insgesamt verzeichneten sechs Länder einen Rückgang der Insolvenzzahlen, darunter die Niederlande und Irland. In Schweden und Luxemburg war der Rückgang nur minimal. Nahezu unverändert blieben die Fallzahlen auch in Großbritannien.

Insgesamt waren die vergangenen Jahre von einem ansteigenden Insolvenztrend gekennzeichnet. Demnach liegen die Fallzahlen in vielen Ländern inzwischen über dem Vor-Corona-Niveau – darunter in Großbritannien, Frankreich, Spanien und Deutschland. Auch in den Benelux-Staaten sowie in Skandinavien überschreiten die Insolvenzzahlen mittlerweile dieses Niveau. Eine Ausnahme innerhalb der westeuropäischen Industrieländer bildet Italien.

Frankreich dominiert weiterhin das Insolvenzgeschehen. Im Jahr 2025 entfiel gut ein Drittel aller Unternehmensinsolvenzen (34,7 Prozent) auf die Grande Nation. Leicht gestiegen ist der Anteil Deutschlands: Er erhöhte sich von 11,7 Prozent im Vorjahr auf 12,1 Prozent. Der Anteil Großbritanniens ist dagegen auf 12,7 Prozent zurückgegangen und liegt damit auf dem niedrigsten Stand seit 2020. Auch die skandinavischen Länder verzeichneten zuletzt einen Rückgang ihres Anteils am europäischen Insolvenzgeschehen. Gemeinsam kommen sie auf 12,5 Prozent (Vorjahr: 12,9 Prozent). Insbesondere im Vergleich zu den Jahren 2020/2021 zeigt sich die abnehmende Bedeutung Skandinaviens.

Insolvenzen nach Wirtschaftsbereichen

Die Insolvenzentwicklung verlief in den Hauptwirtschaftsbereichen teilweise unterschiedlich. Im Baugewerbe blieben die Fallzahlen nahezu unverändert (plus 0,1 Prozent), nachdem es im Vorjahr noch zu einem deutlichen Anstieg um 15,3 Prozent gekommen war. Inzwischen hat offenbar eine Konsolidierung eingesetzt, nachdem die Fallzahlen in den Vorjahren bereits stark gestiegen waren. Das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete hingegen erneut steigende Insolvenzzahlen – sie nahmen um 3,6 Prozent zu. Allerdings fiel der Anstieg weniger stark aus als im Vorjahr (plus 9,4 Prozent).

Die schwache Konjunktur und anhaltende Preissteigerungen belasteten im vergangenen Jahr die Verbraucherstimmung. Entsprechend verzeichneten Unternehmen aus Handel und Dienstleistungen eine schwierige Geschäftslage und die Insolvenzen nahmen erneut zu. Bei den Dienstleistern war ein Anstieg um 8,7 Prozent zu verzeichnen (Vorjahr: plus 14,3) Prozent). Im Handel (einschließlich Gastgewerbe) erhöhten sich die Fallzahlen um 3,0 Prozent, nach einem Plus von 8,0 Prozent im Vorjahr. Insgesamt hat sich die Dynamik des Insolvenzgeschehens damit leicht abgeschwächt.

Den größten Anteil am Insolvenzgeschehen hat erneut der Dienstleistungssektor. Inzwischen entfallen mehr als 43 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen in Westeuropa auf dieses Gewerbe. Im Jahr 2020 lag der Anteil bei 41,9 Prozent und 2015 waren es erst 38,3 Prozent. Die übrigen Sektoren verloren zuletzt an Bedeutung. So entfielen 29,4 Prozent aller Insolvenzfälle auf den Bereich Handel und Gastgewerbe (Vorjahr: 29,9 Prozent). Leicht rückläufig war auch der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes, der von 8,9 auf 8,8 Prozent sank. Besonders deutlich ging der Anteil des Baugewerbes zurück: Er betrug 2025 noch 18,7 Prozent, nachdem er zuvor bei 19,6 Prozent gelegen hatte.

Zusammenfassung

Im Jahr 2025 entwickelte sich die wirtschaftliche Lage in Europa etwas positiver als im Vorjahr, sie war geprägt von einem leichten Wachstum und rückläufiger Inflation. Dennoch belasteten ein schwacher Welthandel, geopolitische Spannungen und strukturelle Probleme wie hohe Energiepreise und Bürokratie die Unternehmensentwicklung. Vor allem große Länder wie Deutschland, Frankreich und Italien wuchsen langsamer als der europäische Durchschnitt. Das angespannte wirtschaftliche Umfeld beeinflusste weiterhin die Stabilität der Unternehmen. In Westeuropa, definiert als EU-14-Staaten plus Norwegen, Schweiz und Großbritannien, wurden 197.610 Unternehmensinsolvenzen verzeichnet – ein Anstieg von 4,8 Prozent gegenüber 2024. Damit stiegen die Fallzahlen das vierte Mal in Folge, allerdings schwächte sich der Zuwachs im Vergleich zu den Vorjahren etwas ab. Die Ursachen für den Anstieg liegen in der instabilen wirtschaftlichen Lage, hohen Energiepreisen und den Folgen der Inflation nach dem russischen Angriff auf die Ukraine.

Besonders stark stiegen die Insolvenzen in der Schweiz, in Griechenland, Finnland und Deutschland, während Länder wie die Niederlande, Irland, Schweden und Luxemburg Rückgänge oder kaum Veränderungen verzeichneten.

Nach Wirtschaftsbereichen zeigte sich eine unterschiedliche Entwicklung: Das Baugewerbe zeigt sich nach starken Vorjahresanstiegen nahezu unverändert (plus 0,1 Prozent). Das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete erneut steigende Zahlen (plus 3,6 Prozent), während Handel und Dienstleistungen ebenfalls eine Verschärfung der Insolvenzlage meldeten (plus 3,0 bzw. plus 8,7 Prozent). Der Dienstleistungssektor stellt weiterhin den größten Anteil aller Insolvenzen – es folgt der Bereich Handel/Gastgewerbe. Die Fallzahlen liegen mittlerweile in allen Bereichen über dem Vorkrisenniveau der Corona-Pandemie.

In Osteuropa gingen die Insolvenzen um 7,1 Prozent auf 36.939 Fälle zurück. Acht von zwölf untersuchten Ländern verzeichneten Rückgänge. Besonders Kroatien und Serbien meldeten sinkende Zahlen, während Bulgarien und Tschechien einen Anstieg bei den Insolvenzen aufweisen. Der Einfluss des Handelssektors für das Insolvenzgeschehen schwächte sich zuletzt ab, während die Insolvenzen im Dienstleistungsbereich und im Baugewerbe zunahmen. Trotz Rückgängen in vielen osteuropäischen Ländern bleiben die Fallzahlen hoch – bedingt durch Nachholeffekte nach Corona, hohen Zinsen und gestiegenen Kosten.

Außerhalb Europas stiegen die Liquidationen in der Türkei um 6 Prozent auf 34.546 Fälle – überdurchschnittlich stark dabei im Dienstleistungssektor. In den USA erreichten die Unternehmensinsolvenzen mit 31.810 Fällen den höchsten Stand seit 2020, angetrieben von Inflation, steigenden Zöllen und schwacher Verbraucherstimmung. Finanzierungsprobleme und schwächere Konjunkturaussichten erschweren in den USA offenbar die Nutzung von Sanierungen im Rahmen eines Insolvenzverfahrens.

Weitere Informationen finden Sie unter www.creditreform.at
Quelle: Creditreform/Europäische Zentralbank (EZB)

 

 

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